Ein Leben im Gleichgewicht
Geschrieben am | 3. 11. 08
Eigentlich ist es verwunderlich, das es ChemikerInnen gibt die Probleme haben ihre Work/Life-Balance, also das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben, zu halten. ChemikerInnen beschäftigen sich nähmlich den ganzen Tag mit nichts anderem, als ihre Reaktionen ins Gleichgewicht zu bringen.
Umgangsprachliche wird Gleichgewicht oft mit einer prekären Situation assoziiert, etwas, dass schwer zu erreichen ist und leicht wieder verloren wird. Im chemischen Sinne wird Gleichgewicht aber etwas anders aufgefasst. Gleichgewicht ist ein Zustand den ein System, in unserem Fall eine Reaktion, von alleine erreicht. Dieser Zustand ist dadurch gekennzeichnet, dass in ihm weniger Energie gespeichert ist als im Ursprungszustand. Im Alltag benutzen wir dieses Prinzip zum Beispiel dazu um unsere Wohnungen zu beheizen. Wir verbrennen Gas, oder einen anderen Brennstoff der zu CO2 reagiert und die freiwerdende Energie erwärmt dann unsere Wohnung. Allerdings fängt der Brennstoff nicht von alleine an zu brennen1, sondern er muss angezündet werden. Das ist ein kleiner Anschubser damit die Reaktion ablaufen kann. Manche Reaktionen brauchen große Anschubser andere nur kleine.
Nimmt man als Analogie ein Gebirge, so beschreibt das Gebirge die Energie aller möglichen chemischen Zustände. Es ist nicht das exaltierte stehen auf dem Berg, sondern der sichere Aufenthalt im Tal erstrebenswert. Auf dem Berg oben ist ja nicht viel Platz, deshalb rutscht man leicht ins Tal hinab dort muss man weniger aufpassen (sprich Energie aufwenden um sich zu halten). Die Täler sind übrigens wunderbare Orte, mit saftigen Wiesen, schattigen Bäumen, vielleicht mit einem kleinen Bach in dem man Schiffchen fahren lassen kann. Um aber in das wunderbare Tal zu kommen, muss man erst über den Berg und je schwieriger der Aufstieg ist, desto weniger Leute wagen die Reise in das Tal.
Es gibt auch nicht so schöne Täler, welche aber einfacher zu erreichen sind, dort wohnen dann faule (metastabile) Menschen. Wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, muss ich die Leute entsprechend ausstatten (mit Temperatur) und Geduld haben (lange Reaktionszeiten), damit sie in das ganz wunderbare Tal kommen. Wenn man statt Leuten jetzt Reaktanden in einer Reaktion nimmt, hat man ziehmlich genau beschrieben, was die Produktverteilung einer Reaktion bestimmt.
ChemikerInnen suchen also immer nach dem Gleichgewicht. Im Gegensatz dazu bekommen ChemikerInnen häufig vorgeworfen, dass sie die Menschheit aus dem Gleichgewicht bringen. Vielleicht sollten ChemikerInnen auch in der makroskopischen Welt öfter nach Gleichgewichten suchen.
- zum Glück [back]
Schlagworte | Work/Life-Balance

