Warum „fettfrei“ nicht schmeckt
Geschrieben am | 26. 05. 09
von Jutta Eichler
Die Autorin ist Professorin am Lehrstuhl für Pharmazeutische Chemie in Erlangen. Sie beschäftigt sich mit biomolekularen Wechselwirkungen in Proteinen. Wenn sie nicht professoriert, wandert und rennt sie gerne, oder diskutiert Chemie mit ihrer Nichte
Neulich habe ich einen französischen Käse gekauft, ohne auf den Fettgehalt zu achten. Und was soll ich sagen? Er zerschmolz förmlich im Mund und war einfach köstlich. Dann der Schock: 60% Fett! Das ist wirklich nicht fair – alle, die schon mal so eine fettarme oder sogar fettfreie Käse-Variante gekostet haben, wissen, wovon ich rede.
Warum aber schmecken die fetteren Sachen immer so viel besser? Das liegt an der chemischen Natur der Geschmacksstoffe. Die sind nämlich selbst oft eher fettähnlich (lipophil) und können sich deshalb in einer fetten Umgebung besser ausbreiten bzw. auflösen und ihr Aroma entfalten. Wird einem Nahrungsmittel das Fett entzogen, sind die Geschmacksstoffe zwar immer noch da, haben aber kein „Medium“ mehr, in dem sie sich ausbereiten können, und das fade Ergebnis ist hinlänglich bekannt.
Nun ist ein Käse mit 60% Fett wahrlich nicht der Inbegriff einer gesunden Ernährung, bei der wir ja gerade auf übermäßig fettreiche Nahrung verzichten sollen. Was sollen wir nun tun – auf fettarm bzw. fettfrei umsteigen und auf Geschmack verzichten? Ihr könnt euch sicher eure eigene Meinung bilden.
Und noch ein Tipp zum Schluss: beim Speisefett umsteigen auf Olivenöl!!
Ist gesund (ungesättigte Fettsäuren) und passt zu (fast) allem. Es muss
also niemand auf Geschmack verzichten.
Wenn ihr selber einen Gastbeitrag schreiben möchtet, oder Fragen habt, könnt ihr das Kontaktformular nutzen oder eine Email an dremma@hdreioplus.de schicken.
Comments
11 Reaktionen auf “Warum „fettfrei“ nicht schmeckt”
Leave a Reply


am 26. 05. 09 um 17:26
Na dann gibt’s ab jetzt fettarmen Käse in Olivenöl ;o) Müsste ja dann auch lecker schmecken. Allerdings glaube ich, dass die Konsistenz auch in unser Geschmacksempfinden hinein spielt: “Er zerschmolz förmlich im Mund”.
Generell bin ich der Meinung dass das Fett gar nicht so schlecht sein kann, wenn man nur genug auf den Berg rennt. Ich mag fettreduzierte Produkte nicht, weil die noch mehr prozessiert werden als moderne Lebensmittel es ohnehin schon sind. Ausserdem sind mehr Zusatzstoffe erlaubt. Das ist sicher auch nicht der Inbegriff einer gesunden Ernährung.
Zu guter Letzt muss auch noch einmal gesagt werden, dass einige Vitamine Fett brauchen um aufgenommen zu werden.
Jetzt habe ich Lust auf Fondue… bei dem Regen wird’s heute aber nichts mit dem Bergrennen. Auweia!
am 26. 05. 09 um 22:26
Das mit dem auf den Berg rennen stand vorher in dem Artikel auch drin und ich habe es aus politischen Gründen editiert. Ich finde ein chemisches Blog sollte kein Ort sein an dem man Menschen ein schlechtes Gewissen über ihre Figur einredet.
Hmmm… Fondue klingt lecker ;)
am 3. 06. 09 um 21:3
Also ich finde es schlimmer Naturprodukte wie Käse als potentiell ungesund hinzustellen. Anregungen zum Bergsport finde ich dagegen nicht zensierungswürdig. Ein schlechtes Gewissen hat ohnehin nur der, der auch einen Grund dazu hat, nicht?
am 3. 06. 09 um 21:3
Also ich finde es schlimmer Naturprodukte wie Käse als potentiell ungesund hinzustellen. Anregungen zum Bergsport finde ich dagegen nicht zensierungswürdig. Ein schlechtes Gewissen hat ohnehin nur der, der auch einen Grund dazu hat, nicht?
am 5. 06. 09 um 9:5
Ich fahre zum Nobelpreisträgertreffen nach Lindau…
Ende Juni treffen sich 23 Nobelpreisträger in Lindau am Bodensee mit 500 ausgewählten jungen Wissenschaftlern. Ich bin dieses Jahr mit ScienceBlogs dabei, ein großes Privileg. Ein kurzer Überblick über die für mich relevantesten Persönlichkeiten…
am 5. 06. 09 um 9:5
Olchemist, ich hab nicht den Bergsport zensieren wollen sondern die Empfehlung irgendwelchen Schönheitsidealen zu entsprechen. Ich glaube nicht, dass Käse ungesund ist.
Es ist ein schwieriges Gebiet mit den Ernährungsempfehlungen, besonders da ich das nicht gelernt hab.
Also:Bergsport gut, Käse gut UND alle möglichen Formen die menschliche Körper haben wenn man sie ausreichend mit Nährstoffen versorgt gut.
am 5. 06. 09 um 10:5
Jetzt bin ich doch etwas überrascht, dass meine Posts doch durchgesickert sind, nachdem mich Deine Webseite erst geschimpft hatte ich hätte irgendeine Frage nicht richtig beantwortet. Das also der Grund für das Doppel.
Sicher ist es schwierig Empfehlungen auszusprechen aber in dem Post ist jemand geschockt weil der Käse 60% Fett hat. Das impliziert, dass fettreduzierte Produkte der bessere Weg wären. Deswegen hatte ich das kommentiert, weil ich eben anderer Meinung bin: Light ist ungesund!
Und bezüglich Bergsport weiß ich ja gar nicht wie der gelöschte Originalwortlaut war. Deswegen war “Zensur” auch eher flapsig als anklagend gemeint. Grundsätzlich hat Sport ja nichts mit Schönheitsidealen zu tun. Ich verstehe aber, dass man da je nach Formulierung durchaus einen Zusammenhang herstellen kann.
Zum Schluss noch eine grundsätzlich Frage zum Thema Gastbloggen. Verpflichtet sich der Gast mit der Abgabe seines Posts gleichzeitig auch die Diskussion zu pflegen? Im Moment hat es sich ja so entwickelt, dass Du verteidigst was jemand anderes geschrieben hat. Wenn allerdings der Gast die Diskussion und damit die volle Verantwortung übernimmt, musst Du als Gastgeber die Beiträge gar nicht editieren. Denn damit wird es ja ein komplizierter Mix aus Emma&Gast-Meinungen. Andererseits ist es Dein Blog. Was denkst Du?
am 5. 06. 09 um 11:5
Also eigentlich finde ich, dass die GastauthorIn sich um den Beitrag kümmern sollte, allerdings würde ich es mir vorbehalten in die Diskussion einzugreifen wenn sie meine Diskussionsregeln verletzt, oder es dem Gast über den Kopf wächst.
In diesem Fall war das jetzt erstmal ein Versuch und er zeigt mir das ich in Zukunft gerne anders vorgehen würde. Z.B. erst einmal den Korrekturwunsch mit der AuthorIn besprechen und so vielleicht mehr Inhalt behalten und dann eben den Wunsch äußern, dass die AuthorIn an der Diskussion dran bleibt.
Ich denke für den Fall, dass jemand gerne etwas schreiben möchte werde ich in Zukunft auch eine kurze Anleitung bereit haben, damit das ganze vom Stil und Thema in das Blog hier passt.
Ach ja und ich such mir ein neues Spamplugin ;) das scheint irgendwie suboptimal zu sein.
am 9. 06. 09 um 18:9
Autoren …
Für das Live-Blog zur 59. Lindauer Nobelpreisträgertagung ist das folgende ScienceBlog-Autorenteam aktiv: Ashutosh Jogalekar wuchs in der indischen Metropole Pune auf. Er machte seinen Bachelor in Chemie und seinen Master in Organischer Chemie an der…
am 8. 10. 09 um 12:8
Fett = böse, Sport = gut – nein, das ist zu einfach. Ich ernähre mich gesund, ausgewogen und ohne fettfreie Lebensmittel. Das beste: ohne Sport in einem Jahr 35 Kilo abgenommen und nun Gewicht am Halten. Nein, der Artikel ist etwas zu platt. sorry.
btw: Käse esse ich nur, wenn meine Katzen ihn davor für lecker befanden. Es gewinnt stets der Öko-Bergkäse mit mind. 60% Fettgehalt.
am 23. 11. 09 um 2:23
Es ist zwar richtig, daß die meisten fettarmen Käse langweilig schmecken, aber längst nicht alle. Es gibt einige wenige höchst aromatische fettarme Käsesorten. Man sollte nicht den Fehler machen, von 2 bis 3 fettarmen Käsesorten auf alle fettarmen Käsesorten zu schließen.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche völlig fettlose Nahrungsmittel mit ausgesprochen starkem Eigengeschmack, z.B. Zitronen, Tomaten (außer holländischen, klar), Erdbeeren (außer spanischen), usw..
Letztlich halte ich es für eine Frage der Geschmacksbildung. So wie uns reines Fett unangenehm schmeckt, so gewöhnt man sich relativ schnell sogar — nein, nicht an Light-Produkte — aber an fettarm zubereitete (im eigenen Saft sozusagen) Speisen und empfindet eine übermäßige Fettzufuhr plötzlich als unangenehm und geradezu geschmacksüberdeckend.